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Gemeinsame Wissenschaftliche Kolloquien des Statistischen Bundesamtes und der Deutschen Statistischen Gesellschaft

Methode, Konzeption und erste Analysen zur ILO-Arbeitsmarktstatistik

Rudolf Janke,

geb. 1949 in Naumburg/Saale; 1967 - 1975 Studium der Wirtschaftswissenschaften und der Soziologie an der Philipps-Universität Marburg (Abschluss: Diplom-Volkswirt), seit 1975 im Statistischen Bundesamt, Leiter der Gruppe "Erwerbstätigkeit, Arbeits-markt"; Arbeitsschwerpunkte: Statistik im Produzierenden Gewerbe, Internationale Kooperation, international vergleichbare Arbeitsmarktstatistik.

Thomas Riede,

geb. 1958 in Ludwigshafen am Rhein; 1978 - 1984 Studium der Soziologie an der Universität Mannheim (Abschluss: Diplom-Soziologe), seit 1990 im Statistischen Bundesamt, Referatsleiter in der Gruppe "Erwerbsstatistiken"; Arbeitsschwerpunkt: Internationale Arbeitsmarktberichterstattung und internationale Koordinierung.

Matthias Sacher,

geboren 1963 in Stuttgart; 1987-1995 Studium der Soziologie und Politikwissenschaft in Konstanz und Mannheim; 1997-2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Konstanz; seit 2002 im Statistischen Bundesamt, Referent in der Gruppe "Erwerbstätigkeit"; Arbeitsschwerpunkte: Internationale Arbeitsmarktberichterstattung.

1. Theoretische Konzepte der ILO-Arbeitsmarktstatistik

Das Labour-Force-Konzept der ILO

Grundlage einer international vergleichbaren Arbeitsmarktberichterstattung ist das von der International Labour Organization (ILO) entwickelte Labour-Force-Konzept. Dabei handelt es sich um ein auf dem System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechungen der Vereinten Nationen basierendes ökonomisches Messkonzept, das auf die Erfassung möglichst aller Erwerbstätigkeiten ausgelegt ist, unabhängig davon, wie groß deren jeweilige nationale Wertschöpfungsbeiträge sind. Deshalb werden auch marginale Beschäftigungsverhältnisse von nur geringem zeitlichem Umfang zu den Erwerbstätigkeiten gezählt.

Bevölkerungsstichprobe als Erhebungsform

Kennzeichnend für die neue telefonische Erhebung ist, dass es sich um eine zufällig gezogene Stichprobe aus der Bevölkerung handelt. Der monatliche Stichprobenumfang beträgt 30 000 realisierte Interviews mit fünfmaliger Folgebefragung im Abstand von jeweils einem Monat. Die Stichprobenziehung basiert auf dem Gabler-Häder-Verfahren, wie es vom Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute standardmäßig eingesetzt wird.

2. Einführung des ILO-Konzeptes in die monatliche Arbeitsmarktberichterstattung

Marketingstrategie zur Vorbereitung der Einführung

Ein zentrales Ziel der monatlichen ILO-Arbeitsmarktstatistik ist die substanzielle Ergänzung der bisherigen Arbeitsmarktberichterstattung in Deutschland. Für die Nutzer werden damit monatlich wie bisher die auf dem Sozialgesetzbuch basierten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit und nun zusätzlich auch die nach dem ILO-Konzept erstellten Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes zur Verfügung stehen. In einer systematisch konzipierten Marketingstrategie wurden die Nutzer auf diese Situation vorbereitet.

Einbringen in die monatliche Diskussion

Das Statistische Bundesamt stellt die Ergebnisse monatlich in Form einer Pressemitteilung jeweils am Monatsletzten des Folgemonats sowie in ergänzenden Internet-Tabellen zur Verfügung. Aufgrund des begrenzten Stichprobenumfangs ist die monatliche Berichterstattung auf wenige Merkmale beschränkt.

Die Berichterstattung basiert hinsichtlich der Zahl der Erwerbslosen direkt auf dem Ergebnis der Telefonerhebung. Für die Zahl der Erwerbstätigen wird auf die bewährten Ergebnisse der Erwerbstätigenrechnung im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen zurückgegriffen, die nun allerdings mit deutlich verbesserter Aktualität zur Verfügung stehen. Dem Grundansatz des ILO-Konzepts - Einbindung in und Konsistenz mit den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen - wird somit auch in der ILO-Arbeitsmarktstatistik Rechnung getragen.

3. Neue empirische Ergebnisse und Erkenntnisse

Wie in anderen Staaten auch, weist die Arbeitslosigkeit gemessen nach dem nationalen Konzept und die Erwerbslosigkeit nach dem internationalen ILO-Konzept nicht das gleiche Niveau und in einigen Monaten auch nicht die gleiche Entwicklung nach. Die Telefonerhebung erlaubt die vergleichende Analyse beider Konzepte. Sie liefert Hinweise zum Verständnis der unterschiedlichen Ergebnisse und damit neue Erkenntnisse über die kurzfristigen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt.

Download der Langfassung als PDF-Datei

© Statistisches Bundesamt Deutschland 2006